Predigt, die ich heuite gehalten habe

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Predigt, die ich heuite gehalten habe

Beitrag von Rolf am So 28 Okt - 14:24

Die Heilung des Gelähmten - Markus 2, 1-12


Als Jesus nach Tagen wieder nach Kapernaum kam, wurde bekannt, dass er im Hause ist. Viele versammelten sich, so dass der Raum sie nicht fasste, auch nicht an der Tür, und er redete zu ihnen das Wort.Da kommen welche, die bringen einen Gelähmten, getragen von vieren. Weil sie aber wegen des Volkshaufens nicht vermochten, ihn zu ihm zu bringen, deckten sie das Dach ab, wo er war, und graben es auf und lassen die Bahre hinab, auf der der Gelähmte lag. Jesus sieht ihren Glauben und spricht zu dem Gelähmten: Kind, erlassen werden deine Sünden. Es saßen dort aber welche von den Schriftgelehrten und überlegten in ihrem Herzen: Was redet dieser? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer Gott?
Sogleich erkennt Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich überlegen, und er spricht zu ihnen: Was ist leichter? Dem Gelähmten zu sagen: Erlassen werden deine Sünden, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Bahre und geh umher!
Damit ihr aber einseht, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu erlassen - spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir: steh auf, nimm deine Bahre und geh nach Hause! Da stand er auf und nahm sogleich seine Bahre und ging vor aller Augen hinaus, so dass alle außer sich gerieten und Gott priesen, indem sie sprachen: So haben wir das niemals gesehen.


Liebe Schwestern und Brüder,

Simon Laplace war ein französischer Mathematiker und Astronom. Er veröffentliche die „Darstellung des Weltsystems“ in drei Bänden; Npoleon, der ein kluger und belesener Mann war, fragte ihn, wo in seinem System der Himmelskörper denn Gott vorkäme, und Laplace gab ihm zur Antwort. „Majestät, dieser Hilfe habe ich nicht bedurft.“

Genau so handeln wir auch: Wir sehen die Welt als einen in sich geschlossenen Zusammenhang, in dem eins auf dem anderen beruht - Ursache und Wirkung, das eine folgt aus dem anderen, notwenig und zwangsläufig, und die Wirkung wird zur Ursache einer weiteren Wirkung. Das alles ist vorhersehbar und das ist für uns selbstverständlich. Wer überhaupt etwas tut, wer arbeitet, wer verantwortlich handelt, rechnet mit der allgemeinen Gültigkeit dieses Zusammenhangs.

Das alles ist keine Erfahrung, der irgendwann auch mal eine andere Erfahrung entgegentreten könnte, sondern diese Gesetzmäßigkeit war schon vor uns da, wir sind in ihn hineingeboren worden und darum ist er eine Voraussetzung unseres Denkens und Handelns. Niemand rechnet damit, dass Gott, und sei es auch nur für einen Augenblick, die Schwerkraft aufheben wird.
Wo ist da noch Platz für Wunder?

Nun könnte einer auf die Idee kommen - und manche haben das ja auch getan - und sagen: Alles in der Welt, ja die geamte Welt, sind die Schöpfung Gottes und sind darum ein Wunder. Doch dieser gedanke hilft uns in Wahrheit nicht weiter, denn wenn alles ein Wunder ist, dann ist es in Wahrheit kein Wunder mehr. Ein Wunder lebt ja davon, ist erst dann ein Wunder, wenn der logische und gesetzmäßige Zusammenhang der Welt durchbrochen wird.

Und doch hilft uns der Gedanke an Gottes schöpferisches Handeln: Ich sehe mich als sein Geschöpf, und nur so kann ich von ihm als dem Schöpfer sprechen. Ich kann nicht aus mir heraustreten, mich gewissermaßen von außen betrachten und Gottes Schöpfung ebenso von außen betrachten. Denn dann würde ich mich zum Richter über Gottes Schöpfung und damit über Gott selbst machen. Noch einmal: Ich kann von Gott als dem Schöpfer nur sprechen, wenn ich mich sein Geschöpf sehe und so bekenne, dass ich in einem ganz bestimmten und einzigartigen Zusammenhang mit Gott stehe. Das ist nun aber ein anderer Zusammenhang als der, den wir in der Welt sehen. Da finden wir nichts mehr von Logik, nichts von der Zwangsläufigkeit von Ursache und Wirkung. Da gilt die freie Tat Gottes. die allein aus seinem Willen, seiner Zuwendung und seiner Liebe entspringt.

In der Welt, in meinem Leben und meiner Existenz finde ich Gott nicht. Er verbirgt sich, und das ist etwas anderes als seine Unsichtbarkeit. Er verbirgt sich, um damit zu erweisen, dass wir ihn nur sehen und ihn nur finden können, wenn er sich uns zeigt. Er zeigt sich nur auf Seine Weise und nicht so, wie wir es gern hätten. Darum können wir nur so von ihm sprechen, wie er sich uns gezeigt hat. Wir können ihn nur sehen, wenn er sich uns zeigt uns wie er sich uns zeigt. Wir haben nicht das Recht, beliebig von ihm zu reden und alles Mögliche und Beliebige für Sein Tun zu erklären.

Es gibt nur ein entscheidendes Wunder, das Gott getan hat, und das ist seine Vergebung in Jesus Christus. Darum erfahren wir seine anderen Wunder nur in diesem Zuammenhang des Glaubens, nur, wenn wir uns selber als seine Geschöpfe sehen und als seine begnadigten Sünder. Es ist in der Tat so, wie wir es eben gesungen haben: „Wunder sollen schauen, die sich auf sein wahrhaftig Wort verlassen und ihm trauen.“

Und damit sind wir mitten in unserer Geschichte!

Rolf
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Re: Predigt, die ich heuite gehalten habe

Beitrag von Rolf am So 28 Okt - 14:25

Hier zeigt sich der Menschensohn, jene endzeitliche Gestalt aus dem Danielbuch, und das ist wohl auch die einzige Bezeichnung, die Jesus selbst für sich gewählt und verwendet hat. Jedenfalls formuliert er den Anspruch, dass Gott sich in ihm selbst zeigt und durch ihn handelt.
In der Schriftlesung haben wir die wunderschönen Worte gehört, die Jesaja dem aus der Verbannung heimkehrenden Volk zuspricht: Der Lahme wird springen wie der Hirsch und die Zunge des Stummen wird jubeln. Natürlich hat Markus diese Sätze im Gedächtnis und im Sinn, als er diese Geschichte niederschreibt und natürlich sieht er in Jesus dieses Versprechen erfüllt.

Die Vier, nennen wir sie die vier Freunde, sind überzeugt, dass Jesus ihrem gelähmten Freund helfen kann. Dass sie, weil sie wegen der Volksmenge nicht zu ihm kommen können, darum das Dach aufgraben, ist schon abenteuerlich. Damit wird das Haus im Grunde unbewohnbar - stellt Euch Euer Haus ohne Dach vor! Das ist aber nicht das Entscheidende, sondern entscheidend ist: Sie treten in jenen Zusammenhang ein, von dem ich eben sprach: Sie sind überzeugt, dass Gott sich in Jesus zeigt und dass er darum das Wunder tun kann. Vom Glauben des Gelähmten ist gar nicht die Rede, sondern allein vom Vertrauen der vier Freunde. Wir lernen daraus: Es gibt einen stellvertretenden Glauben, der dazu hilft, dass Menschen aus ihrer Lähmung, ais ihrer Unbeweglichkeit, ihrer Abhängigkeit, ihrer Verbitterung oder ihrem dumpfen Trübsinn befreit werden - den Folgen solcher Lähmung und Unbeweglichkeit.

Hier tritt Gott aus seiner Verborgenheit heraus und Jesus fasst das Wunder in Worte: Erlassen werden deine Sünden.
Doch da melden sich sogleich die Bedenken derer, die sich an die Verborgenheit Gottes gewöhnt und sich in dieser Dunkelheit eingerichtet haben. Und sie haben natürlich auch gleich das passende theologische Argument bei der Hand, Sünden vergeben kann allein Gott. Das ist ja nicht falsch, aber wir sehen daran, wie theologische Richtigkeiten den unmittelbaren Zugang zu Gottes Offenbarung versperren können.

Dagegen argumentiert Jesus nun, und wir müssen folgenden Gedankengang billigen. Sündenvergebung zuzusprechen ist einfach, weil die Gültigkeit dieses Zuspruchs gar nicht nachgeprüft werden kann, solange Gott nicht das letzte Gericht gehalten hat. Ob aber ein Lahmer geheilt ist, lässt sich sofort erkennen. Das, so sagt Jesus, ist der Beleg dafür, dass seine Macht, Sünden zu vergeben, wirksam ist.Das Wunder der Heilung ist darum nicht ein Mirakel wie es ein Erdbeben, ein plötzlicher Regen oder eine mittägliche Finsternis gewesen wären. Nein, in dieser Heilung wird die Wirksamkeit der Sündenvergebung sichtbar. Anders gesagt: In der Heilung kommt die Befreiung von den Sünden an ihr Ziel.

Ich komme zutück auf das, was ich eben gesagt habe: Es gibt nur ein entscheidendes Wunder, und das ist die Vergebung der Sünden in Jesus Christus. Alle anderen Wunder die uns geschehen (Und solche Wunder gibt es auch heute noch.) und die wir erleben, sind die Folge dieses einen großen Wunders und sind zugleich Hinweise darauf.
Diese Erzählungen von den wunderbaren Taten Jesu fordern darum nicht neben dem Glauben an Gott auch noch den Glauben an wunderbare Geschehnisse, die unseren Verstand überfordern und unsere Wirklichkeit sprengen. Nein, sie alle sind Illustrationen des einen großen Wunders, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist und uns von Tod und Teufel erlöst hat.

Wir werden darum in jeder dieser Erzählungen ein Abbild der großen Gnade und Liebe Gottes finden. Ob es die Stillung des Sturms ist, der Wandel Jesu auf dem Wasser, die Heilung der Blinden, der Aussätzigen oder die Erweckung von den Toten: All das kann Gott tun. Er ist bei seiner Gemeinde auch in den Stürmen und wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht, Jesus geht noicht vorbei, wenn seine Jünger zu versinken drohen, Jesus macht Menschen heil und gesund, er schafft ihnen die Möglichkeit und die Fähigkeit, aus ihrer Lähmung und Verblendung zu erwachen und wieder als Mensch mit anderen Menschen umzugehen.

Steht es so, dann hat der Christ die Möglichkeit, immer neue Wunder zu sehen. Die verwirklichen sich nur im Glauben an das eine Wunder der Vergebung in Christus, und nur in diesem Glauben sind sie auch sichtbar.

Amen

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Re: Predigt, die ich heuite gehalten habe

Beitrag von Waldfee am Do 1 Nov - 6:53

Danke für das Einstellen deiner Predigt, Rolf. Es dauert immer ein bisschen, bis ich Zeit finde, hier längere Texte auch würdigend zu lesen. 
Am kommenden Sonntag wollen wir im Gottesdienst versuchen einige Menschen zu bewegen zu erzählen, was sie mit Gott erlebt haben so in letzter Zeit. Ich habe darüber nachgedacht und gemerkt, dass man als gläubiger Christ wirklich die Dinge im Licht seiner Glaubens sieht. Das heißt, man erkennt Dinge die geschehen als die kleinen oder auch großen Wunder die Gott tut. Besonders wenn man dafür auch gebetet hat, macht sich dann eine große Dankbarkeit breit.
Interessant finde ich auch die Erinnerung an den Aspekt des "Stellvertretenden Glaubens". Immer wenn ich für meine überwiegend nicht gläubigen Familienangehörigen bete, hoffe ich ja, dass die Gebete trotzdem erhört werden, und ich erlebe, dass sie das auch werden, in vielen kleinen Wundern.

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Ich bin dein Herr, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. Jesaja 48,17
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Re: Predigt, die ich heuite gehalten habe

Beitrag von feli am Do 1 Nov - 9:23

Ich komme zutück auf das, was ich eben gesagt habe: Es gibt nur ein entscheidendes Wunder, und das ist die Vergebung der Sünden in Jesus Christus. Alle anderen Wunder die uns geschehen (Und solche Wunder gibt es auch heute noch.) und die wir erleben, sind die Folge dieses einen großen Wunders und sind zugleich Hinweise darauf. Rolf schrieb:

AMEN
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Re: Predigt, die ich heuite gehalten habe

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